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Unentbehrlich

Geschrieben von ME am .

Von Oberstleutnant a.D. Faber

Die Ära der überörtlichen Militärischen Flugsicherung geht mit der Überleitung des Sektors A in die DFS zu Ende. Lippe Radar hat mehr als 30 Jahre lang an diesem Kapitel in der Geschichte der Flugsicherung mitgeschrieben.

Angefangen hat es in den Radarführungsstellungen Uedem, Brockzetel und Auenhausen. Mit gesundem Menschenverstand, Pioniergeist und viel Gottvertrauen ( ja auch das war nötig ) haben damals die Männer der ersten Stunde den Grundstock zu einem leistungsfähigen Kontroll- und Unterstützungssystem für den militärischen Flugbetrieb gelegt.

In der MATRAC Goch brachten die inzwischen exzellent trainierten Flugsicherungssoldaten ihre Fertigkeiten auf ein beachtliches Niveau. Lippe Radar wurde für viele Pilotengenerationen zu einem Synonym für die Sicherheit sowie für rasche und wirkungsvolle Unterstützung im Einsatzflugbetrieb.

 

Durch die Liaison mit Eurocontrol und Lippes Umzug nach Maastricht wurde die Bedeutung und Effektivität der militärischen  Flugsicherung außerordentlich deutlich gesteigert. Dabei zeigte sich schnell, dass die gleichberechtigte zivil-militärische Partnerschaft und das den Flugsicherungsverfahren zugrunde liegende Arbeitskonzept (verbunden mit der hohen persönlichen Leistungsbereitschaft und Kreativität der handelnden Menschen) Vorbildcharakter hatten. Lippe Radar wurde unentbehrlich für die professionelle Einsatzunterstützung der in Westdeutschland operierenden Luftstreitkräfte.

In den Jahren 1986 bis 1990 hatte ich als Chef die Ehre und aufrichtige Freude, die Geschicke des Flugsicherungssektors A mitgestalten zu können, und ich war gerne Vormann dieser tüchtigen Soldaten.

Wir alle, die in der Zentrale Maastricht arbeiteten, spürten damals den "Geist" eines herannahenden grenzenlosen Europas. Die faire und verlässliche Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des UAC (auf der Arbeitsebene ebenso wie auf der Führungsebene) hat mich sehr beeindruckt und mit Genugtuung und Zufriedenheit erfüllt.

Rückschauend denke ich an die Notwendigkeit der intensiven fachlichen Ausbildung des Kontrollleiter-Nachwuchses. Auch an manch schmerzliche Entscheidung erinnere ich mich, wenn das Training abgebrochen werden musste, weil die Männer den hohen Anforderungen Lippe Radars nicht standhielten.

Ich denke an den interessanten Einsatz im täglichen Dienst, mit immer neuen Herausforderungen, auch Luftnotlagen, in denen das Lippe-Team oft genug Hilfe leisten und manches Mal initiative Maßnahmen bei leider notwendigen Rettungsaktionen ergreifen konnte.

Viele Personalangelegenheiten nahmen mich zeitlich stark in Anspruch. Die meisten haben mich persönlich sehr bewegt, manchmal auch in Zielkonflikte geführt, bei denen ich zwischen dienstlicher Notwendigkeit und privaten Interessen der Betroffenen abwägen musste.

Angesichts häufiger Einzelgespräche machte ein Kamerad einmal den orginellen Vorschlag, mein Büro durch einen Beichtstuhl zu ersetzen. Augenzwinkernd gebe ich zu, dass dies für beide Seiten gelegentlich ein adäquates Möbelstück hätte sein können. Wenngleich dieser amüsante Vorschlag bei Lippe nie verwirklicht wurde, lag ihm doch Richtiges zugrunde: Ein Chef ist manchmal auch so etwas wie ein Mönch und Beichtvater. Dieser soll ja auch gerecht sein und niemanden bevorzugen. Und dies wohl wissend wie schwer und mühevoll die Aufgabe ist, Seelen zu leiten und der Eigenart vieler zu dienen. Bei einem muss er es mit sanfter Güte, bei dem anderen mit Tadel und beim dritten mit eindringlichem Zureden versuchen.

Genau so war meine Zeit bei Lippe: Intensive Gespräche und kritische, meist konstuktive Auseinandersetzungen über Rückversetzungen ins Inland - bei denen ich häufig als treibende Kraft missverstanden wurde -, oder anlässlich der regelmäßig abzugebenden Personalbeurteilungen, waren nicht selten. In besonderer Erinnerung bleibt mir der subtile und doch wohlgemeinte Hinweis, den ich heute noch jeden Tag in Form meines Abschiedsgeschenkes - einer "elektronischen Erbsenzählmaschine mit Lüftung" - vor mir sehe. Ich habe diese Ermahnung wohl verstanden.

Gerne erinnere ich mich an viele interessante Gemeinschaftserlebnisse - auch mit Soldatenfamilien -, an fröhliche Stunden im Kreise der Unteroffiziere und Offiziere, die den Zusammenhalt in der Truppe und den Teamgeist sehr geprägt haben.

Ich bin dankbar für diese schöne und lehrreiche Zeit mit den Männern von Lippe Radar. Ihnen gilt mein ganz herzlicher Wunsch: Viel Glück, Erfolg und Zufriedenheit in der neuen Firma, weiterhin "Hals- und Beinbruch" sowie stets genügend Luft zwischen den Fliegern!